20.11.2017

Martin Henning

Snowkiting – Mit ordentlich Zug(drachen)

Martin Henning

Snowkiting – Mit ordentlich Zug(drachen)

Kitesailing erfreut sich in der Sportlerszene immer größerer Beliebtheit. Die Fortbewegung mit Lenkdrachen hat mittlerweile einige Varianten. Neben dem Kitesurfen, dem Kiteboarding und dem Buggykiting findet auch das sogenannte Snowkiting Anklang. Die Anfang der 1960er Jahre etablierte Wintersportart hat sich im Verlauf zu einer echten Alternative zum normalen Ski- und Snowboardfahren entwickelt.

Mit dem handelsüblichen Wintersport hat Snowkiting eher wenig zu tun. Zwar hat der Fahrer auch hier ein Snowboard oder Ski unter seinen Füßen, allerdings gibt es hier keine Einschränkungen im Gelände, keine Wartezeiten an den Skiliften und man kann den Berg auch hinauf- und nicht nur hinunterfahren. Doch nicht nur das: Mit Hilfe des Kites (des für den Sport unabdingbaren Zugdrachens) können Sprünge von bis zu 200 Meter Länge und 20 Meter Höhe absolviert werden. Dies ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Kitingvariante heute eine beliebte Trendsportart im Winter ist.

Der Flugpionier und Chemiker Dieter Strasilla experimentierte erstmals Anfang der 1960er Jahre mit Fallschirm und Ski. Inspiriert wurde er dabei durch Otto Lilienthal, bekannt unter dem Pseudonym „Erster Flieger der Menschheit“ und die erste Person, die einen Flugapparat zur Serienreife entwickelte und verkaufte. In den 70er Jahren entwickelte Strasilla einen Gleitschirm, dessen Leinen zu einer Stange am Piloten führten, welche wiederum mit einem Kardangelenk verbunden waren. Dieses Kiteskiing-System erlaubte dem Piloten, den Körper in jede beliebige Richtung zu drehen, mit dem Kitesegel zu kreuzen und windwärts oder bergauf zu fahren.

Vorlage für das Kitesurfen

Entgegen der landläufigen Meinung hat sich das Snowkiting nicht aus dem Kitesurfen entwickelt, sondern umgekehrt. Zwar experimentierte der englische Lehrer George Pocock in den 1820er Jahren mit großen Lenkdrachen, um damit unter Anderem kleine Boote anzutreiben. Den größten Anteil zur Entwicklung des Kitesurfens leistete allerdings Dieter Strasilla, der Anfang der 1980er Jahre sein Kiteskiing-System auch in Kombination mit Surfbrettern und wakeboardähnlichen Skurfs verwendete. Während die Ursprünge des Snowkitings also in den 70er Jahren liegen, ist der Beginn des eigentlichen Kitesurfings erst auf die frühen 80er Jahre datiert.

Neben dem Zeitpunkt der Entstehung gibt es noch weitere Aspekte, die das Snowkiting vom Kitesurfen unterscheiden. Zum Einen entfällt beim Kiting auf Schnee der unbequeme Wasserstart, der vielen Anfängern Probleme bereitet. Zum Anderen genügt in Bergnähe bereits das Absinken der kalten Luftmassen am Morgen, um den Zugdrachen in Bewegung zu setzen - auf dem Wasser wird dagegen eine kräftige Bö benötigt. Nicht zuletzt erreicht man beim Segeln auf der Piste oder im Tiefschnee schon bei schwachem Wind eine hohe Geschwindigkeit, da hier eine geringere Reibung herrscht als auf dem Wasser. Kiten auf Schnee ist also leichter zu erlernen und eignet sich daher gut als Vorstufe und Winter-Alternative zum Kitesurfen.

Nicht auf eigene Faust erlernen

Nichtsdestotrotz sollten Anfänger das Snowkiting nur in Begleitung eines Kiteschullehrers erlernen. Auf gerader Strecke werden bis zu 80 km/h erreicht, der Geschwindigkeitsrekord liegt bei 111,2 km/h - dementsprechend groß ist das Verletzungsrisiko. Die Kiteschulen vermitteln nicht nur die Technik zur Beherrschung des Drachens, sondern helfen auch, Selbsteinschätzung und Eigenverantwortung zu entwickeln. Dabei gilt: Seriöse Schulen sind durch die Kitesurf- and Snowkite Association (KSA) zertifiziert. Gute Lehrer weisen außerdem darauf hin, dass Helmpflicht sowie das Verbot besteht, in der Nähe von Stromleitungen, Bäumen oder Brücken zu kiten.

Der Spaß hat seinen Preis. Zwischen 1000 und 2000 Euro müssen allein für den Kite mit Lenkvorrichtung investiert werden. Dieser wird durch einen Sitz- oder Hüftgurt am Körper fixiert. Je stärker der Wind in der entsprechenden Region weht, desto kleiner ist der Zugdrachen, der gewählt wird. Je nach Vorliebe fallen dann noch Kosten für die Anschaffung von Ski oder Snowboard an.

Ist diese Investition einmal getätigt, steht dem Winterspaß nichts mehr im Wege. Beliebte Kite-Spots sind der Silverplanersee im schweizerischen Engadin und der Reschensee im italienischen Vinschgau (Südtirol). Hier werden regelmäßig Rennen ausgetragen. Doch auch im Chiemgau, im Bayrischen Wald, in Salzburg und vielen weiteren Orten in Deutschland, Österreich und Italien können Wintersportler der Trendsportart mit Zug frönen.
 

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