20.11.2017

Kerstin Kleinenbrands

Wakeboarden Deluxe – Ein Tag am Boot mit der „GetHigh Boarding School“

Kerstin Kleinenbrands

Wakeboarden Deluxe – Ein Tag am Boot mit der „GetHigh Boarding School“

Ein knurrendes V8 – Motorgeräusch durchbricht kurz die leise Idylle des kleinen, holländischen Yachthafens namens Boxmeer. Hier befindet sich der Heimathafen der GetHigh Boarding School. Wakeboarden, Wakesurfen, Wasserski oder Wakeskaten – das alles ist hier möglich, unter der Aufsicht von Coach Alex Neuwirth.

Etwa eine Stunde von Köln entfernt, die A 57 immer geradeaus, hinter der ersten Ausfahrt der deutschen Grenze vermutet man eher Angler, die mit professioneller Gelassenheit leise um die Wette fischen und sich alle zwei Stunden mal erheben, um ihre Köder zurecht zu zupfen.

Vor ihnen aber liegt eine kilometerlange Wasserskistrecke, die genutzt werden will – und zwar von einem Wakeboard-Boot, Modell: Air Nautique CC 210. Neupreis: 75.000 Euro.

Satte 410 PS verstecken sich unter den grau-melierten Lederpolstern. Platz für circa zehn Leute bietet das Boot, trotz mitgebrachtem Picknickkorb. Die vier Boxen des Soundsystems glitzern silbern wie die Partikel der Wasseroberfläche im Sonnenlicht. Nachdem Alex sein 6,40 m langes Gefährt aus dem Liegeplatz manövriert hat und der Motor warm vor sich hin blubbert, sagt er: „Wir müssen hier noch langsam fahren, Wellenschlag vermeiden. Dahinten geht’s los.“ Er zeigt auf eine enge Hafenausfahrt. Dahinter fließt die Maas.

Ein blau-weißes Schild taucht auf, auf dem ein Wasserski-Männchen abgebildet ist. „Ab hier darf der Hebel auf den Tisch gehauen werden“. Alex´ Mundwinkel richten sich gen Sonne und zwei tiefe Grübchen graben sich in seine Wangen. Eine junge Frau sitzt im Neoprenanzug auf der Badeplattform und schlüpft in die Bindungen ihres Wakeboards. Sie kommt regelmäßig zum Wakeboarden, „immer dann wenn es gerade passt. Ein Tag am Boot ist für mich wie Urlaub“, sagt sie. Mit einem Ruck gleitet sie in das fließende Wasser. Nach wenigen Sekunden sind nur noch ihr Kopf und ihre Schultern zu sehen. Board und Unterkörper sind unter Wasser. „Fertig?“ fragt Alex, sie nickt. Mit beiden Händen hält sie die Hantel (einen dreieckigen Griff), die durch eine Schnur mit dem Tower des Boots verbunden ist, fest.

Chef Alex Neuwirth

Der Motor heult auf und bläst eine graue Abgaswolke aus dem hinteren Schlitz der Badeplattform. Alex steuert den lackierten Holzhebel langsam nach unten. Die 410 PS drücken den Bootsrumpf durch das Wasser. Das Bug hebt sich so, dass die übrigen Passagiere sich kurz in die Gegenrichtung bewegen, um nicht von den Sitzen zu rutschen. Eine Wasserfontäne schießt seitlich am Boot vorbei und formt eine deutlich sichtbare Welle. Mit 36 km/h durchwirbelt der Fahrtwind die Frisuren der Mitfahrer. „Jetzt sind wir bei der richtigen Geschwindigkeit“ erklärt Alex. „Die Welle muss eine saubere Linie haben, damit man bei Sprüngen mit dem Board nicht hängenbleibt.“

Alex betreibt seine Wakeboard-Schule seit 2008. Er selbst ist einst durch seinen Vater vom Wasserski- zum Wakeboarden gekommen und fährt bereits seit 17 Jahren. Er ist bei vielen Wettkämpfen mitgefahren, hat zahlreiche Titel geholt und in Thailand und Florida als Coach gearbeitet. „Das ist meine Leidenschaft und so wird es auch, solange ich kann, immer bleiben“, sagt er. „Solange ich kann“ ist dabei wohl auf seine zahlreichen Verletzungen bezogen, die er sich im Laufe der Jahre zugezogen hat. Bänderrisse, Luxationen, Brüche, Verstauchungen, Prellungen – „Alles schon gehabt“, gibt er zu, „doch der Wille und der Spaß an diesem Sport haben mich immer vorangetrieben“. Mit der GetHigh Boarding School will er anderen Sportbegeisterten die Möglichkeit geben, hinter einem richtigen Wakeboard-Boot zu fahren und neue Tricks zu lernen. Ob jung oder alt, Anfänger oder Fortgeschrittener – jeder ist willkommen.

Das Boot kommt zum Stoppen. Alex kurbelt das Ruder herum und fährt langsam zurück zu der jungen Frau. Sie ist bei einem Trick gestürzt. Nichts passiert. „Das passiert jedem“, sagt Alex. „Wenn man neue Sachen lernen will, fällt man natürlich erst mal einige Male hin, lässt die Hantel los oder landet falsch.“ Er beugt sich über die kleine Reling und gibt der Fahrerin einige Tipps. Länger warten beim Absprung. Locker in den Beinen bleiben. Oberkörper aufrecht. Hantel an die Hüfte ziehen. In den vielen Jahren des Coachings sieht Alex´ präziser Blick fast jeden kleinen Fehler.

Das Boot nimmt wieder Fahrt auf. Circa 40 Liter Benzin verbraucht das Boot pro Betriebsstunde. „Das ist 'ne Menge und kostet natürlich auch“ gibt Alex zu. Etwa 2 Euro pro Minute müssen seine Gäste bezahlen. Allerdings dauert ein Set meist nicht länger als 15 Minuten. „Viele, die zu mir kommen, fahren ja nicht jeden Tag, daher ist der Körper diese Belastung nicht gewohnt und es ist ganz schön anstrengend.“

Mieten kann man Alex mit seinem Boot auch halbe oder ganze Tage, dann wird es etwas kostengünstiger. Es finden in den Sommermonaten auch regelmäßig Camps statt, bei denen die bis zu zehn Teilnehmer ein ganzes Wochenende wakeboarden, grillen und relaxen können.

„Am Ende des Tages freu´ ich mich immer, wenn die Leute Spaß hatten und vielleicht sogar was Neues gelernt haben“, sagt Alex mit einer gewissen Zufriedenheit in den Augen. An diesem Tag hat er noch zwei Wakeboarder durchs Wasser zu ziehen.

Kurz vor Sonnenuntergang tuckert er seine Air Nautique leise zurück in den Heimathafen. An den Anglern vorbei, „die immer etwas grimmig gucken, weil wir ja den ganzen Tag ihre Fische verscheucht haben“ schmunzelt er und dreht seinen Kopf wieder in Fahrtrichtung.

Wakeboarden hinterm Boot – ein einmaliges Erlebnis.

Mehr Infos zu der GetHigh Boarding School finden Sie unter:

www.gethigh-boardingschool.de

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