20.11.2017

Kerstin Kleinenbrands

O'Neill Wake the Line – das Funsport-Event der Spitzenklasse

Kerstin Kleinenbrands

O'Neill Wake the Line – das Funsport-Event der Spitzenklasse

Diesen Sonntag kochte das Kölner Stadionbad trotz wechselhaftem Wetter fast über. Zum sechsten Mal fand das Wakeboard- und Wakeskate-Event O'Neill Wake The Line in Köln statt. Komprimiert auf einem nur knapp 320 m langen Parkour, der sich über alle drei Becken des Freibads erstreckt, versammelte sich die Weltelite dieser Boardsportart, um gegeneinander anzutreten.
 

Mit beiden Füßen fest auf das Board geschnallt, lassen sich die Fahrer mit Hilfe eines sogenannten Zwei-Mast-Systems von der einen Seite über die verschiedenen Hindernisse (sogenannte „Obstacles“) in den hintereinanderliegenden Schwimmbecken hin- und zurückziehen. Darüber versuchen die Wakeboarder, ihre waghalsigen Tricks zum Besten zu geben, um das Publikum und besonders die Jury von sich zu überzeugen. Der Seilzug und die Geschwindigkeit sind dabei genau anpassbar und gewährleisten jedem Teilnehmer die gleichen Bedingungen auf dem Wasser. Die rund 9.000 Zuschauer zeigen Kölns allgemeines Interesse für solch eine außergewöhnliche Veranstaltung.

Vor der Jury, die auf dem 10-Meter-Turm sitzt und somit alles genau im Blick hat, müssen sich die Fahrer in mehreren Durchläufen beweisen. Ob Kanadier, Amerikaner, Australier oder Deutsche – für diese Jungs geht es nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern auch um die immense Summe von 60.000 $ Cash, die unter den ersten Plätzen vergeben wird. Aber das alles in einem Freibad, wo im Sommer wieder ungestört auf grünen Wiesen gelegen und im feuchten Nass geplanscht werden will?

„Dank null Emissionen, klimaschädlicher Gase und weniger als 10 Euro Betriebskosten pro Tag“ laut Hersteller stimmte die Stadt Köln diesem Event vor mehr als fünf Jahren zu. Ein guter Zug. Denn im Laufe der Jahre hat sich Wake the Line zu einem der bekanntesten Events der Boardsport-Szene entwickelt. Trotz wechselhaftem Wetter strotzten die Zuschauer jedem Windstoß oder Regenschauer und zeigten dem Wettergott die kalte Schulter. Innerhalb von 20 Sekunden hatten tausende Besucher ihre Regencapes übergestülpt, rückten noch ein wenig mehr zusammen und ließen keinen Platz für Kälte oder Nässe. Mit Wärme und Begeisterung im Herzen empfing die Kölner Mentalität ein Fahrerfeld der Spitzenklasse.

Die mussten sich zuvor auf einer der vier verschiedenen Stopps weltweit erst qualifizieren. Nur wer sich in den USA, Australien, Russland oder in Langenfeld durchsetzen konnte, war bereit für Wake the Line 2013.

Am Freitag zeigten die Fahrer ihre besten Tricks über die aufgebauten Kicker (Rampen) und brachten die Atmung vieler Zuschauer durch Überkopfrotationen und Saltos in schwindelerregenden Höhen zum stocken. Während den Erholungspausen ließen sich der deutsche Soulsänger „Flo Mega“ sowie die Stuttgarter Hiphop-Band „Die Orsons“ nicht lange bitten und heizten der freudig-erregten Menge ordentlich ein.

Nach diesem erfolgreichen Auftakt ging es am Samstag in die heiße Phase – das Finale. Nur die Besten der Besten konnten sich qualifizieren. Ein Aufgebot, dass man sonst in Europa selten findet. Ein Team von über 40 Leuten ist nötig, um dieses Event möglich zu machen. Eine Woche lang ist das Team mit den Vorbereitungen beschäftigt. Das sogenannte Set-Up (die Hindernisse und Rampen zwischen und in den Schwimmbecken) wird aufgebaut. „Viel Kraft, Schweiß und eine präzise Planung ist hierbei nötig, um später einen einwandfreien Ablauf garantieren zu können“ gibt Hardy Tunissen, Teil des O'Neill-Teams, zu Protokoll.

Auch während des Events müssen die Hindernisse ständig nass gehalten werden, damit die Fahrer mit ihren Boards besser darüber rutschen können und nicht stocken. „Die Set-up- Bewässerung ist extrem wichtig. Darum wird auch während des Wettkampfes dafür gesorgt, dass die Obstacles immer wieder befeuchtet werden“ so Tunissen.

Steht dieses ganze Konzept einmal, müssen sich die Fahrer beweisen und die Schlacht auf dem Wasser kann beginnen. Bewertet wird von der Jury nach folgenden Kriterien: Schwierigkeitsgrad der Tricks, Kreativität, Vielseitigkeit und Kontrolle. Soll heißen: Wer sieht auf seinem Board trotz schwieriger Umdrehungen, Rotationen und höchster Sprünge am besten aus? Da mussten die Zuschauer oft ganz genau aufpassen, denn wer hier nicht zusah, verpasste in jeder Sekunde ein Stück Weltelite.

Dieses Jahr zählte das Fahrerfeld aus Kanada unangefochten dazu. Gleich drei Platzierungen auf dem Siegertreppchen holten sich die Jungs mit der Ahornblattflagge und nahmen somit auch das meiste Cash mit nach Hause. Der große Deutschland-Joker Nico von Lerchenfeld, der die letzten Jahre immer die Deutsche Flagge auf dem Podest zum Wehen brachte, konnte dem Druck diesmal nicht stand halten und stürzte in seinem finalen Lauf. Trotzdem jubelte die Menge, denn dieser Junge ist wohl in einen Talent-Topf gefallen wie einst Obelix in den Zaubertrank.

Ein atemberaubendes Wochenende des wohl außergewöhnlichsten Funsport-Events Europas ist erfolgreich zu Ende gegangen. Doch bereits jetzt wird an der neuen Planung für O'Neill Wake the Line 2014 gearbeitet.

Mehr Informationen sowie Ergebnisse finden Sie auf www.waketheline.com.

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