20.11.2017

Martin Henning

Nordic Cross Skating – Im Winter ins Rollen kommen

Martin Henning

Nordic Cross Skating – Im Winter ins Rollen kommen

Nach Nordic Walking, das Liebhaber des sanften Sporttreibens nun seit bereits 15 Jahren begeistert, findet eine neue Sportart aus Finnland den Weg in das Gelände: Nordic Cross Skating, auch bekannt als Skiken oder Nordic Blading, vereint den Langlauf mit Inlineskating. Nordic Skating kann auf fast jedem Untergrund und zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden. Netter Nebeneffekt: Etwa 90 Prozent der Muskulatur werden beansprucht – bei einem Kalorienverbrauch von angeblich bis zu 950 kcal pro Stunde.

Erfunden haben es zwar die Finnen, jedoch war es ein Österreicher, der die Sportart Nordic Cross Skating entscheidend voranbrachte: Auf der Suche nach einer Möglichkeit, auch im Gelände Inlineskaten zu können, entwickelte Otto Eder im Jahr 1997 die ersten sogenannten Cross-Skates. Ob er damals schon wusste, dass seine europäischen Nachbarn eine Betätigung gefunden hatten, bei der man das Inlineskaten mit Langlaufstöcken kombinierte, ist unbekannt. Jedoch bleibt unbestritten, dass er dieser Sportart durch seine Erfindung im Laufe der Jahre zu deutlich mehr Aufmerksamkeit verhalf.

Schon das erste Modell Eders vereinte alle wichtigen Komponenten heutiger Cross-Skates: Große, luftbereifte Räder, Wadenbremsen sowie ein langer, stabiler Rahmen, der den Fahrer trägt und einen besonders langen Radstand ermöglicht. Im Gegensatz zu anderen Cross-Skates verzichtete Eder bei seinem Produkt auf einen integrierten Schuh, sondern montierte eine Halterung, auf der mit Hilfe von Schnallen ein beliebiger Schuh fixiert werden kann.Zu Beginn wogen die Skates noch über vier Kilogramm und eigneten sich daher nur bedingt für den Einsatz im Alltag. 2000, als Eders Erfindung Serienreife erlangte, war dieses Gewichtsproblem behoben.

Nordic Cross Skating: Zu jeder Jahreszeit und überall

Unter dem Namen Skike (Kunstwort aus „Skate“ und „Bike“) ging das Produkt des Österreichers in den Einzelhandel. Bis zum Jahr 2012 erblickten vier weitere Produktreihen das Licht der Welt (V03, V05, V07 und V07 PLUS). Heute sind Skikes aufgrund ihrer Vielseitigkeit der beliebteste fahrbare Untersatz für Nordic Blader. Reine Inlineskates (also Soft- oder Speedskates) werden nur noch selten benutzt. 

Nordic Skating mit Skikes kann zu jeder Jahreszeit und sowohl auf asphaltiertem als auch auf nicht-asphaltiertem Gelände durchgeführt werden. Der Vortrieb erfolgt dabei nicht nur durch die Cross-Skates, sondern auch durch spezielle Nordic-Skating-Stöcke. Der Bewegungsablauf ähnelt jenem der Skilangläufer. Mithilfe der Stöcke stößt sich der Skiker vom Boden ab, die luftbereiften Räder sorgen für Bewegung auch auf unebenem Untergrund. Wie beim Skilanglauf kann auch der Nordic Skater zwischen verschiedenen Stil- beziehungsweise Antriebsarten wählen:

Der Schlittschuhschritt (wechselnder Beinabstoß) erfolgt gänzlich ohne Stockeinsatz und bietet bei hohem Tempo die einzige Antriebsmöglichkeit, da andere Techniken nicht mehr schnell genug durchgeführt werden können. Beim Doppelstockschub verhält es sich entgegengesetzt: Während hier kaum dynamische Beinarbeit verrichtet wird, erfolgt die Fortbewegung fast ausschließlich durch den Einsatz der Stöcke. Beide Stilarten können in verschiedenen Variationen miteinander kombiniert werden.

Während diese Techniken allesamt aus dem Skilanglauf stammen, gibt es auch Antriebsarten, die nur mit Cross-Skates durchführbar sind. Dazu zählen die Dreipunkttechnik und der Permanentschub. Das Diagonalskating – das ebenfalls dem Skilanglauf entnommen wurde und die Schlittschuhschritttechnik mit abwechselndem („diagonalem“) Stockeinsatz kombiniert – kommt hingegen nur noch bei sehr steilen Anstiegen oder Kraftverlust zum Einsatz und gilt als veraltet.

Bis zu 40 Prozent effektiver als Inlineskating

Durch die Kombination von Inlineskating und Skilanglauf trainiert der Sportler beim Nordic Cross Skating etwa 90 Prozent seiner gesamten Muskulatur. Neben den Beinen wird auch der komplette Oberkörper beansprucht. Die Folge: Die Herzfrequenz ist höher als beim Inlineskaten und das Training um bis zu 40 Prozent effektiver, da es ganzheitlicher wirkt. Gleichzeitig ist es besonders gelenkschonend, denn durch die rollende Fortbewegung und die abfedernde Wirkung der Luftreifen entsteht, anders als bei Sportarten wie Joggen oder Tennis, kaum eine Stoßbelastung. 

Eine erhöhte Kraft- und Grundlagenausdauer ist mit Nordic Skating genauso erreichbar wie eine Verbesserung von Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordinationsvermögen. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Abnehmeffekt: Auf den Skates werden angeblich bis zu 950 kcal pro Stunde verbrannt.

Trotz all dieser Vorteile gehört Nordic Cross Skating zu den sichersten und am leichtesten zu erlernenden Sportarten. Der lange Radstand der Skates, die breiten Reifen und die hochwirksamen Bremsen, die im Falle der Skikes das Niveau guter Fahrradbremsen erreichen, tragen schnell zu einem guten Gleichgewichtsgefühl bei und machen Stürze unwahrscheinlich. Aufgrund dessen ist die Sportart für jedes Alter und Leistungslevel geeignet. Dennoch empfehlen sich auch hier Schutzhelm und Protektoren, um das Restrisiko eines Unfalls auszuschließen.

Die Investitionen zahlen sich aus

Wer sich nun an die Cross-Skates schnallen und losfahren möchte, sollte vorher jedoch einige wenige Dinge beachten: Personen ab 35 Jahren, die seit zehn Jahren oder mehr keinen Ausdauersport mehr betrieben haben, sollten sich im Vorfeld das Okay ihres Arztes einholen, da die Kreislaufbelastung beim Nordic Cross Skating sehr hoch ist. Gleiches gilt für stark Übergewichtige. Hier müsste zu Anfang eventuell etwas Gewicht reduziert werden. Absolut tabu ist die Sportart für all Jene, die an starken Gleichgewichtsstörungen, Epilepsie, Panikattacken und akuten Infektionskrankheiten leiden.

Sie gehören nicht zu dieser Gruppe? Dann ab auf die Cross-Skates! Zwar ist der Einstieg in den Sport vergleichsweise teuer – Cross-Skates kosten zwischen 220 und 440 Euro, dazu kommen Stöcke (50 bis 240 Euro), Handschuhe (15 bis 50 Euro) und je nach Bedarf Helm (etwa 40 Euro) und Protektoren (ca. 30 Euro) – doch die Investitionen amortisieren sich. Reifen, Lager und Bremsbeläge der Skates halten sehr lange, das gilt auch für den Rest der Ausrüstung. Somit folgen auf die ersten Investitionen selten weitere Kosten. Dies macht Nordic Cross Skating zu einer sehr umweltfreundlichen Sportart, da deutlich weniger Ersatzteile produziert werden müssen als beispielsweise beim Inlineskating. Dass für das Nordic Blading keine neuen Sportanlagen gebaut werden müssen und die Naturressourcen geschont werden, trägt ebenfalls dazu bei.

Also probieren Sie die Allwettersportart doch einfach mal aus. Nicht, dass Sie in ein paar Jahren sagen, wir hätten es nicht empfohlen.

 

Bildquelle: S. Jähnichen, http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/41/Skike.jpg?uselang=de

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