25.09.2017

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Fremdsprache beherrschen, Gedächtnis trainieren und das in kurzer Zeit?

Johannes Werner

Fremdsprache beherrschen, Gedächtnis trainieren und das in kurzer Zeit?

Unter Kommunikation versteht man im Allgemeinem die Verständigung zwischen Menschen mithilfe von Sprachen und Zeichen. Es geht dabei um die Übertragung und den Austausch von Informationen. Die schnellste Übertragungsform ist das gesprochene Wort. Nur sprechen nicht alle Menschen dieselbe Sprache, weswegen es manchmal notwendig ist, sich „mit Händen und Füßen“ zu verständigen.

Doch wie fändest Du es, wenn Du tatsächlich jede Sprache in kürzester Zeit lernen könntest? Unmöglich, denkst Du? Nein. Ganz und gar nicht. Klar, eine neue Sprache zu lernen, ist und bleibt eine Herausforderung. Du musst dafür selbst aktiv werden. Denn von alleine lernt sie sich nicht. Aber mit dem richtigen Werkzeug, also den richtigen Lernmethoden, kannst Du Dir spielerisch leicht neue Fremdsprachen aneignen und jederzeit abrufen. Wie das geht, erklären wir Dir heute.
 

Spaß statt Stress heißt die Devise

Das Wichtigste vorab: Sprache (aber auch alles andere, das Du neu lernen willst) kann, darf und sollte sogar Spaß machen. Denn: Deinem Gehirn fällt alles leichter, wenn Du Spaß hast. Mehr noch: Je mehr Spaß Du hast, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Gehirn die nötigen Informationen auch langfristig abspeichern wird. Wenn Du also so richtig Lust darauf hast, zum Beispiel Spanisch zu lernen, wird Dein Gehirn Spaß Dir beim Verarbeiten und Abspeichern dieser Sprache helfen.

Ebenfalls wichtig beim Erlernen neuer Sprachen (oder generell neuer Dinge): locker bleiben und nicht auf Perfektion setzen. Denn: Je entspannter Du bist, desto offener bist Du für Neues. Das gilt auch für Fremdsprachen. Umgekehrt bedeutet das: Je verbissener Du etwas perfekt machen willst, desto langwieriger und schwieriger wird der Weg dorthin. Außerdem setzt Du Dich damit unter Druck. Dein Gehirn arbeitet in diesem Fall also unter Stress und nicht mit Spaß. So machst Du es ihm schwerer, die neue Sprache zu lernen. Ganz abgesehen von den Enttäuschungen, mit denen Du Dir selbst den Spaß an der Sache rauben wirst, weil Du Deine Messlatte zu hoch angesetzt hast.

Prinzipiell gilt: Du lernst etwas sowieso nur, indem Du Fehler machst. Das gilt vor allem für Sprachen. Nur auf diese Weise kann Dein Gehirn die richtigen Vokabeln oder die korrekte Syntax nach einigen Durchläufen „erkennen“, wiederholen und im Gedächtnis ablegen. Perfektionismus ist also nicht angesagt, wenn Du eine Sprache wirklich lernen und können willst. Zumal Du nie den Punkt erreichen wirst, an dem Du eine Sprache perfekt beherrschst – denn Sprache verändert sich, ist also ein dynamisches und kein starres System.

Sprache lernen mit dem Pareto-Prinzip

Kontenzentriere Dich bei einer neuer Fremdsprache zunächst auf das Wesentliche. Entscheidend ist, dass Du als erstes die 20 Prozent der Vokabeln, Redewendungen und Grammatikregeln lernst, die Du zu 80 Prozent in dieser Sprache brauchst. Das ist das sogenannte Pareto-Prinzip. Es besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwands erreicht werden (können).

Für den Anfang ist das in jedem Fall eine sehr effektive Lernmethode. Legst Du beim Lernen der neuen Sprache also Dein Hauptaugenmerk auf die Basis (die oben beschriebenen 20 Prozent), kommt der Rest von ganz allein. Denn: Du kannst Dir Ausnahmen erst dann merken, wenn Du die Grundregeln kennst. Alles andere ergibt sich aus dem Gebrauch der Sprache: schreiben, lesen, hören, sprechen. Vor allem das Sprechen ist ein Antrieb für Dein Gehirn. Es fordert, fördert und beschleunigt Deinen Fortschritt beim Erlernen der neuen Sprache. Außerdem ermöglicht es Dir die schnellsten Erfolgserlebnisse.

(Anm. d. Red.: Zum Thema Pareto-Prinzip werden wir Dir noch einen separaten Themenblock zusammenstellen. Denn Du kannst es nicht nur auf Sprachen, sondern auch allgemein auf Produktivität oder auch Zeitmanagement anwenden.)

Für Vernetzung im Gehirn sind Quantität und Qualität wichtig

Wenn Du Vokabeln lernst, versucht Dein Gehirn Vernetzungen herzustellen. Um das optimal tun zu können, sind zwei Dinge wichtig: Quantität und Qualität. Das bedeutet zunächst einmal, je öfter Du ein Wort regelmäßig anwendest desto schneller hat Dein Gehirn diesen Begriff verfügbar, wenn Du ihn brauchst. Durch das ständige Wiederholen des Wortes suggerierst Du Deinem Gehirn, dass dieser Begriff wichtig ist. Deshalb hält es ihn für Dich auf Abruf parat.

Auch was die Qualität angeht, hast Du selbst großen Einfluss auf die Vernetzung. Denn letztlich entscheidest Du allein, wie „hoch“ diese Qualität wird. Denn: Je mehr Erinnerungen, Gefühle oder Assoziationen Du mit diesem Wort verbindest, desto leichter fällt Deinem Gehirn der Zugriff darauf. Dein Gehirn denkt grundsätzlich vernetzt und nicht separat. Das ist auch der Grund, warum es blitzschnell über unzählige Verknüpfungen die richtigen Wörter und Ausdrücke zu Sätzen kombinieren kann.

Mit Vokabeln experimentieren und in Wortkombinationen lernen

Es ist also generell wichtig, mit neuen Vokabeln zu experimentieren. Was gut und effizient funktioniert: Du kannst Beispielsätze bilden oder Dir Situationen ausdenken, in denen Du diese Vokabeln benutzen könntest. Deinem Gehirn gibst Du aber schon den richtigen Impuls, wenn Du einfach nur darüber nachzudenken, ob Du ein Wort schön findest und warum.

Vor allem Beispielsätze sind hervorragende Merkhilfen für Dein Gehirn. Sprachforscher raten dazu, Vokabeln grundsätzlich in Wortkombinationen zu lernen. Das hat nämlich noch einen weiteren Vorteil: Es unterstützt nicht nur die Vernetzung, sondern kann Dich auch vor „Missgriffen“ beim Sprechen bewahren. Lernst Du zum Beispiel einfach nur, dass „Zug“ auf Englisch „train“ heißt, formulierst Du womöglich den (falschen) Satz: „I drive with the train“. Lernst Du das Wort jedoch in einer typischen Kombinationen wie „I go by train“, schränkst Du die Möglichkeit ein, beim Sprechen „daneben“ zu greifen.

Dein Gehirn entwickelt sehr schnell und eigenständig eine Intuition für die jeweilige Sprache. Das gelingt ihm aber nur, wenn Du ihm Freiraum lässt. Sei also nicht zu streng mit Dir, wenn es mit der Sprache anfangs noch nicht ganz rund läuft. Denn das ist die Lernmethode Deines Gehirns. Es braucht diese Freiheit, „Fehler“ zu machen, um letztlich das richtige System oder Sprach-Schema zu erkennen, zu verinnerlichen, abzuspeichern und anzuwenden.

Tipp: Gewöhne Dir an, neue Eindrücke oder Erlebnisse in der neuen Sprache auszudrücken. Durch diesen psychologischen Selbst-Referenz-Effekt speichert Dein Gehirn Vokabeln noch besser ab. Ein weiterer Pluspunkt daran ist: Hirnforscher haben herausgefunden, dass das Hin- und Herschalten zwischen Sprachen das Gehirn nicht nur fordert, sondern auch fördert und nachhaltig optimiert.

Die unterschiedlichen Funktionen der beiden Gehirnhälften

Egal, ob Du nun eine neue Sprache, eine andere Tätigkeit oder Wissen lernen willst – was Dir dabei immer hilfreich zur Seite steht ist das Gedächtnistraining. Denn ein gutes Gedächtnis erspart viele Wege und viel Mühe. Es erleichtert aber auch den Umgang mit Menschen und hilft, leichter zu lernen. Denn: Dein Gedächtnis ist ein zentrales Werkzeug Deines Gehirns, das trainierbar ist.

Wichtig zu verstehen ist dabei, wie die beiden Gehirnhälften funktionieren. Denn beide haben verschiedene Funktionen. Vereinfacht erklärt kannst Du Dir das so vorstellen: In der linken Gehirnhälfte sitzen beispielsweise das Sprachzentrum oder auch das mathematische Verständnis. Diese Hälfte denkt logisch, analytisch und abstrakt. Deshalb beschäftigt sie sich viel mit Begriffen, Wörtern oder auch Zahlen. Die rechte Gehirnhälfte denkt ganzheitlich und intuitiv. Dort sitzen beispielsweise Phantasie und Kreativität. Sie beschäftigt sich mit Bildern, erinnert Formen und Gesichter, kann aber zum Beispiel auch räumlich denken. Grundsätzlich gilt: Sein volles Potenzial entfaltet Dein Gehirn bei der Vernetzung beider Gehirnhälften.

In Bilderketten denken ist sehr effizient

Wenn Du Dir also etwas merken willst, ist es effektiv, wenn Du dabei mehrere Eingangskanäle (also die Kombination beider Gehirnhälften) nutzt. Zu einem begrifflichen Inhalt gehören deswegen auch Bilder und Emotionen, die Du damit verknüpfst. Deshalb ist das Lernen mit Bildern eine sehr effiziente Lernmethode.

Ein Beispiel: Du musst einkaufen und benötigst Tennisschuhe, drei Schweißbänder, zwei Griffbänder, einen neuen Schläger, zwei Dosen Tennisbälle, drei Pfirsiche, ein Netz Mandarinen, zwei Ananas, ein paar Trauben und eine Tragetasche.

Dein Gehirn erkennt in dieser Liste sofort zwei verschiedene Gruppen: Die ersten fünf Positionen sind Sportartikel. Du kannst sie Dir leicht merken, indem Du Dir vorstellt, wie Du damit auf dem Tennisplatz stehst. Die zweite Gruppe, das Obst, stellst Du Dir einfach in einer Schale vor, die auf dem Tisch steht. Oder noch einfacher: Stell Dir einfach vor, Du packst das Obst in die Tragetasche und nimmst sie mit auf den Tennisplatz. Und schon hast Du mit zwei ineinander verketteten Bildergruppen zehn Begriffe abgespeichert. Tipp: Auch absurde, lustige Gruppierungen und Verkettungen tragen nachweislich zur Merkfähigkeit bei.

Namen und Gesichter besser einprägen

Ebenso gibt es beim sogenannten Personengedächtnis Möglichkeiten zur Optimierung. Jeder kennt diese Situation: Da steht jemand vor Dir und Du erkennst zwar dessen Gesicht, Dir will aber kein Name dazu einfallen. Oder: Jemand erzählt Dir von einem Namen und Du kannst dazu kein Bild herstellen. Wenn es Dir schwerfällt, Dir Gesichter oder Namen zu merken, musst Du daran nicht verzweifeln.

Es liegt vermutlich daran, dass Dir diese Menschen bisher nicht wichtig genug waren, um sie Dir einzuprägen. Doch es gibt einen Trick: achte bewusster auf Deinen Gegenüber und verknüpfe Gedanken und Emotionen mit ihm. Gleichzeitig hilft es, sich das Gesicht intensiver anzusehen (Augen, Nase, Mund, Ohren, Frisur), was automatisch beim Einprägen hilft. Auch hier gilt: Mit Spaß und Humor lässt sich vieles leichter merken.

Zahlen merken mit dem Major-System

Viele stehen jedoch vor der größten Herausforderung, wenn es darum geht, sich Zahlen zu merken. Daten, Geburtstage, historische Ereignisse, Telefonnummern... die Liste ist lang – und für manch einen schwierig bis gar nicht zu merken. Doch das muss nicht so bleiben. Eine Methode, um sich Zahlen effektiver einprägen zu können, ist beispielsweise das sogenannte Major-System. Dabei werden Ziffern in Buchstaben verwandelt, aus denen anschließend Wörter gebildet werden. So kannst Du auch längere Zahlenfolgen einfach in Form von Bildern behalten, mit denen Du eine Geschichte erzählst. Wichtig dabei ist, dass Du die Zahlen in klare, emotionale Bilder übersetzt, die Du Dir gut vorstellen kannst. Wie immer gilt: Je mehr Sinneseindrücke Du mit dem Bild verknüpfst, desto vorteilhafter für Dein Gedächtnis.

Daniel Jaworski (www.danieljaworski.de), Weltrekordhalter 2016 im Gedächtnissport, Deutschlandrekordhalter 2014/2015 im Zahlenmerken und Dozent an der Uni Kassel, erklärt in diesem Video kurz und knapp, worum es beim Major-System geht:

 

Ein ausführlicheres Tutorial zum Thema Major-System liefert Ulrich Bien (www.denkreich.com), Sachbuchautor, Gedächtnistrainer und Experte für effektives Lernen und Arbeiten:

Selbstverständlich gibt es neben den hier aufgeführten Lernmethoden auch noch andere weitere. Dazu gehört unter anderem die Loci-Technik, auf die wir gemeinsam mit dem Pareto-Prinzip zu einem späteren Zeitpunkt noch näher eingehen werden.

Wir wünschen Dir nun erst einmal viel Erfolg mit den heutigen Techniken. Sie werden auch bei Dir funktionieren – egal ob Du eine neue Sprache lernen, Dir Namen und Gesichter effektiver merken oder Dir Zahlen besser einprägen möchtest. Wenn Du neugierig genug bist, diese Lernmethoden auszuprobieren, bist Du den wichtigsten Schritt zu Deinen ersten Erfolgserlebnissen bereits gegangen. Viel Spaß!