29.06.2017

Johannes Werner

Lernmethoden muss jeder individuell ausprobieren - Dr. Marius Ebert

Johannes Werner

Lernmethoden muss jeder individuell ausprobieren - Dr. Marius Ebert

Wir haben bereits einiges über Lernmethoden gelesen – und wie sie Dir helfen, Dein Leben zu verbessern und Lernprozesse zu beschleunigen. Profi auf diesem Gebiet ist Schnell-Lernexperte und Buchautor Dr. Marius Ebert. Er ist unter anderem der Erfinder der Spaß-Lern-Denk-Methode. In einem Gespräch erklärt er, wie Du Dich zum Lernen selbst motovieren kannst, warum Lernmethoden individuell auszuprobieren sind und warum sie jeder auf eine andere Art und Weise zu seinem persönlichen Erfolg nutzen kann und sollte.

Dr. Marius Ebert

Herr Dr. Ebert, welche Eigenschaften sollte ein Mensch mitbringen, um erfolgreich und effektiv lernen zu können?

Dr. Ebert: Er muss sich für das Gebiet interessieren, er muss von dem Lernstoff, den er sich aneignen möchte, fasziniert sein. Denn das Wort Interesse kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „dabei sein“. Das ist die allerwichtigste Eigenschaft. Dafür sollte er entweder bereits eine persönliche Verbindung dazu haben oder sie eben entwickeln.

Inwiefern kann man sich zum Lernen selbst motivieren? Gibt es dafür Tricks?

Dr. Ebert: Ja, der Schlüssel ist Selbstreflexion. Es gibt auf diese Frage keine allgemein gültige Antwort, denn das Lernen ist etwas sehr Individuelles. Motivation ist bei jedem Menschen ein bisschen anders. Deswegen rate ich jedem, sich zu beobachten und zu sehen, was ihn motoviert und was nicht. Das kann zum Beispiel über gezielte Belohnung gehen, getreu dem Motto: Wenn ich das jetzt durchgearbeitet habe, gönne ich mich danach etwas, was ich gerne tue. Oder: Möchte derjenige etwas sehr Unangenehmes lernen, kann eine Ausweichstrategie helfen. Das würde bedeutet, er lernt zuerst etwas weniger Unangenehmes, damit ihm das andere nicht mehr so schwierig vorkommt.

Inwiefern sind Lernmethoden effektiv und wichtig?

Dr. Ebert: Weil wir immer eine Technik brauchen. Sobald ein Mensch eine Fähigkeit entwickelt, kommt eine gewisse Methodik ins Spiel. Sobald wir eine Technik entwickeln, die für uns individuell gut passt, wird es automatisch effektiv. So ist es auch beim Lernen. Es ist übrigens erschreckend, wie wenig Lernmethodik es generell gibt. Wenn wir zum Beispiel Techniken entwickeln, wie wir am besten Auto fahren, sind wir dabei sehr viel weiter als wenn es darum geht, effektiv zu lernen.

Welche Vorteile bieten Lernmethoden?

Dr. Ebert: Ohne Struktur gehen die Menschen die Sachen irgendwie nach Zufallsprinzip an. Wenn jemand aber eine Methode hat, kann er relativ klar sagen, was als Ergebnis zu erwarten ist. Das bedeutet, Methoden machen Abläufe immer strukturierbar und – noch viel wichtiger – transparent. Der große Vorteil an einer Lernmethode, die für mich passt: ich weiß, wenn ich sie einsetze, was am Ende dabei rauskommt.

Welche Lernmethoden sind für welches Gebiet, zum Beispiel Gedächtnistraining, Sprache oder Zahlen, die besten und warum?

Dr. Ebert: Lernmethoden müssen immer für das jeweilige Gebiet ausprobiert werden. Es gibt keine universell gültige Methode, die auf alles anwendbar wäre. Das Einzige, was für alles gilt: Derjenige braucht eine gewisse Selbstdisziplin. Doch das Gedächtnis fördert er beispielweise mit einer anderen Methode als er eine Sprache lernt. Sein Gedächtnis trainiert er am besten gezielt. Wie das Namensgedächtnis zum Beispiel. Von generellen Übungen fürs Gedächtnistraining halte ich wenig. Für eine Sprache braucht er zum Beispiel sehr trainiertes Hören. Doch irgendwann muss natürlich der Sprung vom passiven ins aktive Verständnis kommen, denn die besten Sprach-Lernmethoden sind diejenigen, die die Menschen zum Sprechen bringen, sie einbeziehen.

Warum kann es die eine, die universelle Lernmethode nicht geben?

Dr. Ebert: Weil jeder Mensch in Bezug auf das Lernen anders ist. Jeder Mensch hat eine andere innere Wahrnehmung, eine andere Ausprägung von bestimmten Sinneskanälen. So ist beispielsweise der eine eher auditiv, der andere eher visuell. Das bedeutet: Zwei Menschen schauen auf das exakt Gleiche, doch das innere Abbild, das innere Gefühl ist bei keinem Menschen genauso wie beim anderen. Da gibt es immer Unterschiede. Gerade beim Lernen, wo es darum geht, etwas vom Äußeren ins innere Verständnis zu bringen, gibt es deswegen keine universelle Lernmethode.

Inwieweit können unterschiedliche Lernmethoden miteinander kombiniert werden?

Dr. Ebert: So weit, wie es jedem individuell passt. Es gibt auch hier wieder keine allgemeine Regel. Kein Mensch ist rein visuell, keiner rein auditiv. Jeder muss das für sich selbst ausprobieren. Grundsätzlich ist eine Kombination aus beispielweise auditiv, visuell und kinästhetisch sinnvoller als nur eine Eingabespur zu verwenden.

Welche Lernmethoden gefallen Ihnen persönlich am besten und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Dr. Ebert: Grundsätzlich gefallen mir alle Lernmethoden immer dann am besten, wenn sie mir Erfolgserlebnisse vermitteln. Als ich Betriebswirtschaftslehre gelernt habe, habe ich mir Übersichten in eine Klarsichtfolie gepackt und sie mir in die Dusche gehängt. So habe ich mir die Dinge gleich morgens nochmal vor Augen geführt. Momentan lerne ich eine Fremdsprache mithilfe eines Online-Programms namens Babbel. Damit mache ich sehr gute Erfahrungen, weil ich das als sehr durchdacht empfinde und meiner Meinung nach auch die Struktur berücksichtigt wird, die ein Erwachsener braucht, um eine Sprache zu lernen.

Welche sind zusammengefasst die effektivsten Tipps für einen schnellen und dauerhaften Lernerfolg?

Dr. Ebert: Schriftlichkeit hilft. Ich würde mir einen Lernplan schriftlich formulieren und fixieren. Wenn jemand sich selbst etwas sagt, fühlt er sich selbst nicht so verpflichtet – und darum geht’s – als wenn er es sich aufschreibt. Das halte ich für einen effektiven Tipp. Generell ist Kreativität der Oberbegriff bei effektiven Tipps. Darüber habe ich auch in meinem Spaß-Lern-Denk-Buch „So wird man ein Genie“ geschrieben. Es gibt mehrere Dinge, die gut funktionieren: Mit Mind Mapping arbeiten, Farben nutzen, Bilder einer Sache visualisieren, die Motivation stets aufrechterhalten. Was auch wichtig ist: ausreichend schlafen. Denn das Gehirn braucht auch im Lernprozess genügend Zeit, um das Ganze verarbeiten zu können.

Welchen Rat geben Sie Lernwilligen zum Abschluss mit auf den Weg?

Dr. Ebert: Jeder lernt auf eine andere Art und Weise. Niemand sollte sich verunsichern lassen, nur weil ein anderer ganz anders lernt und auf einem ganz anderen Weg Erfolg hat. Das Wichtigste nochmal zum Schluss: Jeder muss ein individuelles Lernsystem entwickeln, das für ihn selbst passt – sozusagen einen individuellen Lern-Maßanzug schneidern. Das halte ich für die wichtigste Voraussetzung überhaupt – gerade in einer Zeit der massiven Umbrüche, der dramatischen Veränderungen. Wenn jemand durch ein individuell funktionierendes System seine Lernwilligkeit aufrechterhält, dann ist das eines der wertvollsten Werkzeuge, die er für sich selbst entwickeln kann.
 

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