25.09.2017

Mark Kornke

Motivation im Sport

Mark Kornke

Motivation im Sport

Warum sind einige Sportler erfolgreicher als andere? Viel mag mit dem Talent des Athleten zu tun haben, doch Erfolg ohne harte Arbeit ist unmöglich. Was Sportler zu Ausnahmepersönlichkeiten macht, ist der Wille, täglich an sich zu arbeiten. Motivation ist das Schlagwort für die Bereitschaft, alles dem Training und dem Wettkampf unterzuordnen. Motivation spielt im Sport seit jeher eine entscheidende Rolle – dennoch wird das Thema in der Öffentlichkeit kaum behandelt.

Samstag, 25. September 2010. Der FSV Mainz 05 ist die Überraschungsmannschaft der noch jungen Fußball-Bundesliga-Saison. Fünf Siege stehen nach fünf Spielen zu Buche, eine ganze Stadt steht Kopf. Während man in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bereits vom internationalen Geschäft träumt, ist beim Doublesieger des vergangenen Jahres und heutigen Gegner, dem großen FC Bayern München, schlechte Stimmung angesagt. Nach einem verpatzten Saisonstart steht man nur auf Platz 8 der Tabelle. Dies soll sich schnell ändern, am besten schon gegen den vermeintlichen Underdog.

Ganz Fußballdeutschland rechnet damit, dass die Serie der Mainzer an diesem Spieltag endet. Zu illuster ist der Kader des Rekordmeisters, zu dominant spielen die Bayern in ihrer eigenen Arena auf. Der Trainer der Mainzer, Thomas Tuchel, ist sich der Tatsache bewusst, dass kaum jemand auf einen Sieg der 05er setzt, vermutlich nicht einmal seine eigene Elf. Und so greift er tief in die Trickkiste: Vor dem Spiel zeigt er seiner Mannschaft zur Motivation einen Ausschnitt aus dem Film „An jedem verdammten Sonntag“. Al Pacino spielt dort einen Footballcoach, der sein Team vor dem sportlichen Absturz bewahren muss. Vor dem alles entscheidenden Spiel hält er eine legendäre Rede, die seine Mannschaft wachrüttelt und dem Team letztlich zum Sieg verhilft.

Tuchels Taktik geht voll auf – Mainz spielt furchtlos und gewinnt das Spiel mit 2:1. Erst am 8. Spieltag geht die unglaubliche Siegesserie der 05er zu Ende. Wieder einmal hat sich gezeigt: Motivation im Sport kann Unmögliches möglich machen.

Motivation – Basis für den Erfolg

Was ist Motivation? Nach Falko Rheinberg bezeichnet der Begriff Motivation die Orientierung des aktuellen Verhaltens auf ein bestimmtes, positiv bewertetes Ziel – zum Beispiel der Sieg in einem bedeutenden Wettkampf. Voraussetzung für diese zielgerichtete Orientierung ist die Aktivierung zentralnervöser Systeme im Körper – die Basis jeglicher Handlungen. Zur Realisierung des Ziels ist wiederum Willen, in der neuen Motivationsforschung auch Volition genannt, vonnöten.

Die Motivation, eine Handlung zu begehen, kann verschiedene Gründe haben. Tut man etwas um seiner selbst willen (also weil es Spaß macht, Interessen befriedigt etc.), spricht man von intrinsischer Motivation. Erfolgen Handlungen dagegen, um Vorteile bzw. Belohnungen zu erhalten und Nachteile bzw. Bestrafungen zu vermeiden, handelt es sich um extrinsische Motivation. Dieses Theorem ist einer der Grundbestandteile der klassischen Motivationsforschung. Die neuere Motivationsforschung um Richard Scholl und John Barbuto geht dagegen von zwei intrinsischen und drei extrinsischen Quellen der Motivation aus.

Betrachtet man die Definition von Sport – zweckfreie körperliche Betätigung, die um ihrer selbst willen betrieben wird – scheint die Ausgangslage klar: Sport kann per definitionem nur durch intrinsische Motivation betrieben werden. Aber was ist mit Profisportlern, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und deren Lebensunterhalt von der Erbringung konstant guter Leistungen abhängt? Was ist mit Rehabilitationspatienten, die nur durch Sport ihre körperlichen Beeinträchtigungen beseitigen können? Und was ist mit uns, die wir uns Woche für Woche auf die Straßen, ins Schwimmbad oder auf den Sportplatz schleppen, um überflüssige Pfunde loszuwerden?

Motivation von innen heraus generieren

Sport spielt eine immer größere Rolle in der Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund werden auch die Erwartungen in ihn immer höher. Dies führt dazu, dass sich der Sport in den Köpfen vieler von seiner Grundidee entfernt. Wichtig ist, sich regelmäßig die Frage zu stellen: Warum treibe ich Sport? Ist es der Spaß an der Sache oder doch eher Zwang?

Deshalb ist extrinsische Motivation mit Risiken verbunden – wenn ich nur Sport betreibe, um mir einen Vorteil zu verschaffen, Geld zu verdienen oder mich selbst oder Andere zufriedenzustellen, werde ich meine Ziele nicht erreichen und mich früher oder später vom Sport abwenden. Im schlimmsten Fall werde ich sogar seelische Schäden davontragen. Der Fall des als Jahrhunderttalent gehandelten Fußballspielers Sebastian Deisler dient als prominentes Beispiel.

Wer Erfüllung in (s)einer Sportart finden möchte, muss seine Motivation von innen heraus generieren. Langsam, aber kontinuierlich Freude an der Bewegung zu entwickeln, ist einer der wesentlichen Faktoren für das Gelingen. Dafür steht eine Reihe von Strategien zur Verfügung: Abwechslung schaffen, mit Freunden gemeinsam Sport treiben, Musik einbauen, fordernde, aber realistische Ziele setzen, den inneren Schweinehund besiegen, Erfolge dokumentieren. Und vor allem: Nur das machen, auf was man wirklich Lust hat.

Vielleicht möchten Sie es aber auch mit einem Motivationsvideo schaffen. Thomas Tuchel kann diese Methode wärmstens weiterempfehlen.

 

Bildquelle: familymwr, http://www.flickr.com/photos/familymwr/6963895564/sizes/o/in/photostream/
 

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